Maurers in Peru

Titicacasee und eine besondere Begegnung

Anfang Oktober hatten die Kinder 1 Woche Schulferien und wir nutzten die Gelegenheit die Region um den Titicacasee kennen zu lernen. Ein grosser Teil unserer Patienten kommt aus dieser Region. Das sind ca. 10 Autofahrstunden von Curahuasi bis Puno. Mit einer Übernachtung nach ca. 5 Stunden ging das ganz gut. Sobald man die Agglomeration von Cusco verlässt, ist die Autofahrt auch sehr angenehm. Neu asphaltierte Strassen und fast keine Kurven machen das Autofahren deutlich angenehmer als wir das von der Strecke nach Cusco kennen. In Puno angekommen spüren wir die Höhe von 3`800 müM mit Kopfschmerzen und Druck auf der Brust.  Auch ist es deutlich kälter (bis -2 Grad in der Nacht) und trockener als in Cusco. Wir sind aber gut vorbereitet und gehen mit Jacke und Mütze ins Zentrum zum Abendessen. Danach treffen wir uns noch mit einer Krankenschwester, welche schon seit vielen Jahren bei Diospi Suyana arbeitet. Wir erfahren, dass sie vor ein paar Jahren für 3 Monate in der Schweiz (Walzenhausen) war und eine Kurzbibelschule besucht hat. Dort ist der internationale Sitz von Movida. Dies ist eine christliche Organisation, die international, überkonfessionell und interkulturell arbeitet und sich dabei für junge Lateinamerikaner und christliche Ortsgemeinden einsetzt. MOVIDA ist eine Kombination aus den spanischen Wörtern „mover“ und „vida“ und bedeutet „Leben bewegen“.

Am nächsten Tag lernen wir «zufällig» im besten Café der Stadt Theda und Nils kennen. Sie sind aus Deutschland und reisen für 2 Monate durch Peru. Wir erzählen kurz, was wir hier in Peru machen und laden sie spontan ein, ein paar Tage zu uns nach Curahuasi zu kommen und das Hospital kennen zu lernen. Ob wir je etwas von ihnen hören werden?

Für uns ging es dann weiter zu den Uros Inseln. Diese bestehen aus schwimmendem Schilf und sie sind nur per Boot erreichbar. Es leben dort ca. 1500 Personen, je 4 Familien pro Insel. Um eine Insel zu bauen, benötigt es ca. 1 Jahr. Alle 15 Tage wird neues Schilf draufgelegt, da das darunterliegende mit der Zeit verrottet. Die Inseln werden verankert, dass sie nicht bis nach Bolivien schwimmen. Die «Häuser» bestehen aus einem Zimmer. Dort wird geschlafen (1 Bett für die ganze Familie). Gelebt wird draussen, bei Wind und Wetter. Dusche und WC gibt es eine pro Insel. Die Frauen stehen um 4 Uhr auf und bereiten auf dem Feuer das Essen für die Familien vor. Es gibt auch eine Primarschule und Sportplätze.

Wir hatten es etwas komfortabler und schliefen in einem Haus mit 2 grossen Betten und eigenem Bad. Die Hotels werden von Leuten von den Uros Inseln gebaut und betrieben. Es war ein sehr schönes Erlebnis.

Am nächsten Tag buchten wir ein Hotel etwas ausserhalb von Puno mit toller Weitsicht auf den See und die Stadt. Wir lernten dort eine deutsche Familie kennen, die mit ihrem Wohnmobil für 7 Monate in Südamerika unterwegs sind. Sie erzählten uns von einem Geysir und einer Lagune mit Flamingos. Unser Interesse war geweckt und wir fuhren am Tag darauf statt wie geplant nach Cusco zurück zum Geysir und den Flamingos. Vor der Abfahrt durften die Kinder den hauseigenen Alpakas ein Milchfläschchen geben.

Es war ein langer Tag, ca. 7h Autofahrt, es hat sich aber sehr gelohnt und wir waren unglaublich beeindruckt. Vorbei an farbigen Felsen von rot bis grün und dann waren wir plötzlich umgeben von braunen bis fast weissen Sanddünen. Wir sahen viele Alpaka- und Vicunaherden und kamen dann nach 2 Stunden zum Geysir, der ununterbrochen heisses Wasser spuckt. Es riecht stark nach Schwefel und die Farbe des Flusses ist knall orange. Es war wie auf einem anderen Planeten. Dort haben wir Viscachas gesehen. Ein kaninchenähnliches Nagetier aus der Familie der Chinchillas, das oft auf Felsen in trockenen Hochländern sitzt.

An der besagten Lagune staunten wir über die Vielzahl von Flamingos. Der Rand der Lagune war rosarot. Mava war absolut begeistert und wir auch! Auch Nandus haben wir gesehen, das sind kleine Strausse, die in den Anden leben. Wir fragten uns, ob wir wirklich in Peru sind, denn von diesen vielen Attraktionen, haben wir zuvor noch nichts gehört.

Nach der zweitägigen Rückreise nach Curahuasi erhielt Gabriel eine Nachricht von Nils, dass sie uns gerne besuchen würden und wenn es uns am besten passt. Wir waren doch etwas überrascht, dass sie unserer Einladung gefolgt sind, da wir uns ja nur von einem 10-minütigen Gespräch kannten. Sie kamen dann für 2 Nächte, erhielten eine Schul- und Spitalführung und einen Ausflug zum Hausberg. Wir hatten interessante Gespräche über Gott und die Welt und allgemein eine sehr schöne Zeit zusammen.

Hier fügen wir ihren Erfahrungsbericht über 2 Tage in Curahuasi ein:

In Puno haben wir Rahel, Gabriel und ihre Kinder Mava und Ilay kennengelernt. Sie waren im gleichen Hostel wie wir untergekommen (das mit Alpen-Flair, vielleicht erinnert ihr euch) und als wir ihnen dann im einzig schönen Café der Stadt wieder begegneten, unterhielten wir uns einige Minuten. Sie erzählten, dass sie Missionare sind und in Curahuasi, einem Ort in der Nähe von Cusco (ca. 3 Stunden entfernt) in einem Hospital arbeiten. Sie leben seit 2,5 Jahren in Peru und kommen eigentlich aus Basel in der Schweiz. Vor Kurzem haben sie sich entschlossen, ihren Aufenthalt um ein weiteres Jahr zu verlängern, sie werden also bis 2028 in Curahuasi bleiben. Sie luden uns ein, sie dort zu besuchen und im Gästezimmer zu übernachten, falls wir dafür Zeit und Lust dazu haben.

Das hatten wir beides und so vereinbarten wir mit ihnen einige Tage später, dass wir für 2 Nächte zu ihnen kommen.

In Cusco ging es los mit dem Collectivo. Im Vorhinein hatten wir von Gabriel und Rahel einige Infos bekommen, worauf wir dabei unbedingt achten sollen, weil es auf den Bergstraßen einige Unfälle gibt und sie im Spital die Folgen davon sehen. Wir trafen eine ganz gute Wahl mit einem größeren und trägeren Fahrzeug, mit ausreichendem Reifenprofil und sogar mit Sicherheitsgurten. 😉 (Liebe Grüße an der Stelle an unsere Eltern!)

Die ganze Familie holte uns ab und wir fuhren zu ihrem sehr idyllisch gelegenen Haus zwischen Avocadoplantagen. Sie haben das Haus von Missionaren übernommen, die vor ihnen dort gelebt haben. Dabei waren die beiden Esel und der Hund bereits „inklusive“ – als wir kamen, gab es auf dem Hof noch zwei Pferde, ein Meerschweinchen (hier aber nicht zum Essen), ein Kaninchen und vier Katzen. Ein richtiges Paradies für tierliebe Menschen. Die Maurers hatten zu Beginn des Jahres einen Raum im Anbau zum Gästezimmer mit allem Drum und Dran ausgebaut. Sie haben uns sehr herzlich empfangen und wir haben gegenseitig immer wieder bestaunt, dass sie völlig Fremde in ihr zu Hause einladen bzw. dass diese völlig Fremden dann auch gekommen sind. Die beiden waren uns wirklich ausgezeichnete Gastgeber. Rahel hat mal in einem Café in Basel gearbeitet und zaubert daher den besten Kaffee. Dazu gab es mehrfach selbstgebackene Brötchen, was uns sehr gelegen kam, weil wir Deutsches Brot & Brötchen hier sehr vermissen. Sie zeigten uns Hof und Garten und beantworteten in den abendlichen Gesprächen all unsere neugierigen Fragen dazu, wie ihr Leben und auch ihre Weltsicht ist. Dabei war immer klar, dass wir uns unterscheiden, es war aber gar kein Hindernis in der Kommunikation. Das war eine sehr schöne Erfahrung.

…bevor wir in den Garten gingen, warnten sie uns vor den Mücken bzw. Fliegen, die würden beißen. Wir nutzten das angebotene Insektenschutzspray und dachten uns nicht viel dabei. Später bekamen wir leider die Rechnung: An den Knöcheln, Waden und Armen waren wir von Stichen übersäht, die in der Nacht stark anschwollen und stark zu jucken begannen. Wir wurden gewarnt, dass das jetzt 2 Wochen so bleibt. Unsere Körper sind eben noch nicht an die hiesige Fauna gewöhnt und auch die Insektenstiche gehören wohl zu einer authentischen Erfahrung dazu.

Wir kamen an einem Sonntag an und am Montag war für die Kinder ein normaler Schultag und für Rahel und Gabriel ein normaler Arbeitstag im Hospital.

Die Schule:

Die Gründer des Hospitals haben auch eine Privatschule gegründet, die ca. 600 Kindern Platz bietet und zu der auch die Kinder der Missionarinnen und Missionare gehen. Es ist aber keine deutsche Schule in dem Sinn, die meisten Kinder sind peruanisch. Die Schule hat es sich zum Ziel gesetzt, mind. zu einem Drittel Kinder zuzulassen, deren Eltern sich die monatliche Schulgebühr nicht leisten können. Finanziert wird das über Spenden, also Schulpatenschaften. Das heißt das Ziel war es schon, den Missionarsfamilien das Kommen und Bleiben durch eine angemessene Schulbildung ihrer Kinder zu erleichtern. Dieses Ziel wurde jedoch ohne Abschottung von den lokalen Kindern und im Gegenteil zum Vorteil besonders armer Familien umgesetzt.

Wir begleiteten Gabriel und die Kinder morgens zur Schule. Montagmorgens findet dort immer eine Aufstellung statt, bei der marschiert wird und die peruanische Nationalhymne gesungen wird. Das ist in peruanischen Schulen wohl normal, auch wenn es für uns Deutsche recht befremdlich ist. Jede Woche führt eine Klasse etwas vor, dieses Mal war eine 1. Klasse dran. Danach bekamen wir von Tobi, einem deutschen Sozialarbeiter, der in der Schule tätig ist, eine Führung durch die Schule. Das war besonders für mich richtig spannend! Das sozialpädagogische Team ist für deutsche Verhältnisse ziemlich groß und beinhaltet auch eine (oder mehrere, bin mir nicht mehr sicher) Psychologinnen. Sie sehen sich als psychosoziale Begleiter der Kinder mit besonderen Schwierigkeiten. Teilweise werden jedoch auch Therapien angeboten und Tobi macht Verhaltenstrainings gegen aggressives Verhalten sowie Aufmerksamkeitstrainings. So schön sich das inklusive Konzept der Schule auch liest (Missionarskinder, Kinder aus wohlhabenderen peruanischen Familien und Kinder aus den ärmsten Familien, auch Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung) so konfliktreich und anspruchsvoll ist es natürlich auch, in dieser diversen Zusammensetzung ein positives und lernförderndes Miteinander sowie angemessene Förder- und Forderung der Kinder aufrechtzuerhalten. Viele der Kinder haben zu Hause kein eigenes Zimmer, keinen ruhigen Ort zum Hausaufgaben machen, oft nichtmal einen Tisch, an den sie sich setzen können. Viele Erwachsene in Curahuasi, insb. Väter, konsumieren viel Alkohol. Häusliche Gewalt und auch sexualisierte Gewalt ist ein großes Thema. Wir lernten auch, dass Peru im Bereich Femizide weltweit ziemlich weit oben auf der Rangliste steht. Ein sehr trauriger Rekord. In diesem Umfeld arbeitet Tobi mit seinem Team. Viele Entwicklungsrisiken können sie nicht aus dem Weg räumen, auch weil es in Peru praktisch kein Kinder- und Jugendhilfesystem gibt. Sie versuchen zu begleiten und zu unterstützen. Die unvermeidliche professionelle Hilflosigkeit, die sich einstellt, wenn man all diese Probleme wahrnimmt, aber keine Lösung hat, kompensieren sie ein Stück weit mit ihrem Glauben: Mit Gottvertrauen, dem Mitgeben von Gottes Segen und dem Gebet für die Betroffenen Kinder. Letzteres ist für uns natürlich eher befremdlich. Aber Hilflosigkeit im Job und in der Fürsorge für meine Patienten kenne ich natürlich auch. Es war spannend für mich, hier nochmal einen ganz anderen Umgang damit zu erleben. Das, was hier sozialpädagogisch geleistet wird ist keine Kleinigkeit, sondern lebensverändernd für die Kinder. Ein paar der bisherigen Absolventen der Schule studieren jetzt wohl Medizin, möglicherweise um danach im Hospital tätig zu werden.

Das Hospital Diospi Suyana:

Die Stadt Curahuasi liegt in der Region Apurimac, die an die Region Cusco grenzt. Diese Region ist eine der ärmsten Perus, weshalb die Gründer Klaus-Dieter und Martina John das christliche Missionshospital Diospi Suyana 2007 genau dort gründeten. Seither leben dort einige Fachkräfte aus dem Ausland, in der Regel für einige Jahre und mehrheitlich aus dem deutschsprachigen Raum. Die meisten sind im Hospital tätig und üben Gesundheitsberufe aus (z. B. Ärzt*innen, Pflegekräfte, Praxisassistenzen, Laborkräfte, Medizintechniker etc.). Das Hospital ist deshalb so etwas Besonderes, weil es sich zum Ziel gesetzt hat, Gesundheitsversorgung für die arme Landbevölkerung, in der Regel Quechuas, anzubieten. Eine Untersuchung durch einen Arzt kostet hier nur wenige Soles (ich glaube 4 Sol, das entspricht einem Euro). Die Behandlungen müssen zwar bezahlt werden, es wird aber alles daran gesetzt, die Kosten für die Patienten möglichst gering zu halten. Wenn jemand wirklich nicht zahlen kann, erfolgen Diagnostik und Behandlung auch pro bono. Das geht, weil das Hospital durch Spenden finanziert wird und die Missionarinnen und Missionare kein Gehalt bekommen.

Wir bekamen am Nachmittag eine Führung durch das Hospital von Rahel. Sie ist im Labor tätig, nimmt Blutentnahmen vor und analysiert sie. Das ist für mich als Blutphobikerin natürlich ein super Thema für ein bisschen Exposition! Ich kam aber knapp drumherum um die Synkope und die Führung konnte wie geplant beendet werden. Rahel führte uns überall hin, unter Anderem in die Orthopädie, in die Radiologie, in die Notaufnahme, in die Kapelle und zum hauseigenen Radiosender.

Die Patienten reisen oftmals viele Stunden, manchmal Tage per Bus und Collectivo, um die Klinik zu erreichen. Morgens stehen sie dann vor den Toren. Durch ein Verfahren mit Zufallsprinzip werden die Termine für den Tag vergeben und danach abgearbeitet. Das bedeutet gleiche Chancen für alle, aber auch die Möglichkeit, mehrere Tage nacheinander keinen Termin zu kriegen. Diejenigen, die keinen Termin bekommen haben, werden vom Personal der Notaufnahme, u. A. von Gabriel, nach einem Triage System gesichtet. Bei akutem Bedarf wird eine Behandlung in der Notaufnahme am gleichen Tag ermöglicht. Wenn Personen z.B. direkt nach einem Autounfall kommen, werden sie auch durchgewunken. Was jedoch leider nicht existiert, ist ein Rettungsdienst – wer einen Notfall hat, muss selbst kommen. Darin unterscheidet sich Curahuasi aber wohl nicht von anderen Städten: Es gibt z.B. in Cusco wohl Rettungswagen, diese seien aber meist bis auf eine Liege nicht anders ausgestattet als ein Taxi und obendrein langsamer und teurer. Zu Gabriels Aufgaben gehört es auch, Patienten nach Cusco zu bringen, die einen Eingriff benötigen, der in Curahuasi nicht durchgeführt werden kann (sie haben z. B. bisher noch keinen Neurochirurgen). Dann kämpft er dort nicht selten für die Patienten um einen Platz im regionalen Krankenhaus (das wir auf unserer Suche nach einer Gelbfieber-Impfung ja auch schon besucht haben).

Sehr beeindruckend war die Orthopädie. Dort werden Orthesen passgenau mittels 3D-Druck hergestellt. Es gibt in Peru viele Menschen mit Fehlbildungen, wohl nicht zuletzt aufgrund von Verunreinigungen im Wasser z. B. durch Schwermetalle und Quecksilber in der Nähe von Minen. Viele der Betroffenen haben keinen Zugang zu einer Orthese und es existieren viele (im Vergleich zu medizinischen Orthesen sehr schlechte) Behelfslösungen. Die Orthopädie hier arbeitet neben dem 3D-Drucker auch mit Sachspenden deutscher Hersteller. Christian, der hier tätige Missionar und gelernter Orthopädietechniker Meister zeigte uns in Bildern und Videos viele Fälle von Kindern, die mithilfe einer Orthese/Prothese von jetzt auf gleich Laufen und Rennen, Klettern und Spielen konnten, wie es ihnen vorher nicht möglich war. Darin lag schon eine gewisse Magie, derer auch wir „Ungläubigen“ uns nicht verwehren konnten. Er bildet aktuell einen jungen Mann (gelernter Schweißer) in Orthopädietechnik aus und träumt davon, dass dieser selbst später weitere lokale Peruanerinnen und Peruaner darin ausbildet.

In der Radiologie berichtete uns Rahel davon, wie sie zu ihrem MRT Gerät (sehr teuer!) gekommen sind. Ich hoffe, ich kann es richtig nacherzählen: Es gibt in Deutschland den „Deutschen Zukunftspreis“ für Technik und Innovation. Den hat einmal ein Forscherteam für die Entwicklung eines MRT Geräts bekommen, das mit einem Bruchteil des Energieaufwandes (Helium) klarkommt, den ein normales MRT benötigt. Sie entwickelten das Gerät spezifisch mit dem Ziel, es in Ländern der 3. Welt zum Einsatz zu bringen. Nachdem sie den hoch dotierten Preis gewonnen hatten, entschieden sie sich, beides, d. h. das Gerät und das Geld dem Diospi Suyana zu spenden. Es war aber ein großer Zufall, oder auch ein Wunder, je nach Lesart, nötig, damit sie überhaupt auf dieses Projekt in Peru aufmerksam wurden: Jahre vorher hatte sich einer der Entwickler oder eine nahestehende Person (bin mir nicht mehr sicher) ein Hörbuch heruntergeladen. Es war von dem Gründer des Hospitals und handelte von diesem Projekt. Eigentlich wollte diese Person aber etwas anderes herunterladen und anhören, blieb dann aber beim „Versehen“, hörte das Hörbuch und wurde nur deshalb auf das Projekt in Curahuasi aufmerksam.

Wir hörten während unseres Aufenthaltes viele Geschichten über Wunder dieser und ähnlicher Art. Auch wenn ich die Ursachen dieser Wunder eher in den wirkenden Menschen, ihrer Offenheit, Zuversicht und Nächstenliebe verorten würde, können wir die Interpretation als Gottes Wunder zumindest nachvollziehen.

Gegen Ende der Tour zeigte uns Rahel noch den hauseigenen Radiosender. Dieser wird u. A. dazu genutzt, um auf Quechua Gesundheitsinformationen unter die Leute zu bringen z. B. indem Ärzt*innen aus dem Hospital interviewt werden. Nils und ich sind getauft und christlich geprägt erzogen. Aber wir sind beide keine Kirchengänger und könnten das Glaubensbekenntnis nicht ehrlich mitsprechen. Deshalb sind uns hier einige Dinge fremd, zum Beispiel das Beten füreinander und insbesondere für Patienten, für die die medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Auch die Interpretation von Ereignissen als „Gottes Wunder“ liegt uns natürlich eher fern. Wir würden dasselbe wohl eher als „glückliche Fügung“ vielleicht sogar als „Schicksal“ (?) bezeichnen. Aber es hat uns wirklich tief beeindruckt, was hier (in Gottes Namen) bewegt und getan wird. So wenig wir am Glauben hängen, so deutlich können wir uns doch mit den eben auch christlichen Werten, z. B. mit Nächstenliebe, Dankbarkeit und soz. Gerechtigkeit identifizieren. Nach Jahren, in denen wir vor allem über die Medien und vor allem aus der katholischen Kirche viel von institutionellem Missbrauch Schutzbefohlener und finanzieller Bereicherung gelesen und gehört haben, war es wirklich schön auch mal wieder andere Seiten christlichen Wirkens zu sehen. Natürlich wussten wir immer, dass im Namen der Kirche bzw. des christlichen Glaubens auf der Welt auch sehr viel Gutes vollbracht wird. Aber es ist anders, es zu erleben. Wir werden zurück in DE sicher nicht plötzlich zu Kirchengängern werden – aber wir haben uns dazu entschieden, die Familie Maurer in ihrer Tätigkeit und ihrem Leben dort durch Spenden zu unterstützen. Wir glauben vielleicht nicht an ihren Gott aber wir glauben fest an den großen Wert dessen, was sie hier tun.

Ich hoffe, ich konnte es auch euch greifbar machen, wenn ihr bis hierhin „durchgehalten“ habt. Wir sind den Maurers sehr dankbar für diese Erfahrung, die uns auch nochmal ganz andere Einblicke in das Land Peru gegeben hat.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Theda und Nils für den ausführlichen Erfahrungsbericht. Hier noch ein paar Impressionen von unserer Zeit um den Titicacasee.

Rahel Maurer

Ich bin Ehefrau & Mami, MPA (Medizinische Praxis Assistentin), habe das Wirtepatent, bin Barista, mein Traum ist es wieder ein eigenes Kaffe zu betreiben, ich lese & nähe gerne, bin spontan, optimistisch und liebe es Gastgeberin zu sein.
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