Maurers in Peru

Roadtrip mit dem Auto nach Lima!

Jedes Jahr im Januar treffen sich alle Missionare der SIM zu einer 5-tägigen Konferenz in Lima. (SIM Serving in Mission, ist unsere Missionsgesellschaft)
Dieses Jahr hatte Rahel die Idee, wir könnten doch mit dem Auto nach Lima fahren, ca. 18 Stunden. Unterwegs gibt es einige Sehenswürdigkeiten und mit 2-3 Übernachtungen wäre das machbar.
Es brauchte ein bisschen Überzeugungsarbeit, bis alle damit einverstanden waren.

Auf gehts!

Wir fuhren zuerst nach Andahuaylas, was eigentlich ein Umweg ist. Wir wollten aber gerne diese Gegend sehen, da einige unserer Patienten von dort kommen.
Von da ging es weiter nach Pampachiri zum Bosque de Piedras (Steinwald). Die Landschaft war sehr abwechslungsreich und beeindruckend!
Wir fuhren dann auf einer Hochebene, weit und breit nur Alpakas, mal ein Hirte und sonst nichts. Plötzlich fing es an zu hageln und alles war weiss! Der höchstgelegene Punkt war ca. 4`600 müM. Keine Häuser, Shops, Tankstellen oder Restaurants und auch kein Handy Signal!

Nach Puquio ging es dann nochmals auf eine Hochebene mit Alpaka`s und Vikuna Herden.
Das Vikuna ist etwas kleiner und sehr scheu. Die Wolle ist sehr wertvoll, weswegen es fast ausgestorben war. Nun gibt es Nationalparks, wo sie geschützt werden.


Über Nazca und die bekannten Nazcalinien ging es dann Richtung Ica in die Wüste. Dort machten wir einen Zwischenstopp bei der bekannten Oase Huacachina wo wir eine Buggytour buchten mit Sandboarden.
Das machte Spass und es war sehr heiss!

Nun war es nur noch einen Katzensprung bis ans Meer etwas südlich von Lima. Dort verbrachten wir die nächsten fünf Tage mit ca. 50 Missionaren, welche verstreut über Peru leben und sich in verschiedenen Projekten engagieren.

SIM Retiro in Lima

Das war für alle eine bereichernde Zeit. Die Vormittage waren jeweils mit Andachten / Input ausgefüllt und die Kinder hatten ihr eigenes Programm. Die Nachmittage verbrachten wir am Strand oder im Pool.
Am Ende dieser Woche fuhren wir nach Lima um Rahel`s Eltern abzuholen, welche uns für 4 Wochen besuchten.
Das war eine Wiedersehensfreude nach 1.5 Jahren!
Natürlich brachten sie viele Geschenke und Schoggi mit. Da hatten wir gleich nochmals Weihnachten!

Wiedersehen im Schweizer Gästehaus in Lima

Es war schön und bereichernd ihnen unser Leben hier in Curahuasi etwas näher zu bringen und die Kinder freuten sich, Zeit mit Grosi und Opa zu verbringen. Kurz vor unserer Abreise nach Lima haben wir einen Abstellraum zu einem Gästezimmer ausgebaut. Dieses durften sie sogleich einweihen und es wurde seither schon mehrfach genutzt!
Weiter gab es eine Wanderung zum Hausberg, Besuch des wöchentlichen Marktes, peruanisches Geburtstagsfest von unseren lieben Freunden, eine Führung an der Schule und im Spital. Rahels Vater (gelernter Schreiner) besuchte die hauseigene Schreinerei wo er sogleich Hand anlegte und eine defekt geglaubte Maschine wieder instand setzte.
Es war eine sehr schöne und bereichernde Zeit und nach 4 Wochen ging es für sie wieder zurück in die kalte Schweiz.

Intensivstation

Vor dem Jugendfestival kam eine Patientin auf die Intensivstation. Da das gleiche Personal von der Notfallstation auch für die Intensivstation zuständig ist, wurde die Notfallstation geschlossen. Der Betrieb wechselt dann in den Schichtbetrieb 24/7. Alle weiteren Notfälle werden dann über die Bettenstation aufgenommen.
Zu dieser Zeit gab es einen neuen Mitarbeiter einzuarbeiten, da eine erfahrene Kollegin kurzerhand gekündigt hatte. Ein weiterer Mitarbeiter hatte sich am Knie verletzt und musste in Deutschland operiert werden. Das Team besteht aus 7 Personen, eine davon arbeitet hauptsächlich auf der Endoskopie. Eine weitere Mitarbeiterin arbeitet als Aushilfe in unserem Team und für Gabriel war die Arbeit auf der Intensivstation Neuland.
Normalerweise beträgt die Liegedauer auf der Intensivstation ca. 3 Tage.
Die Hoffnung bestand darin, die Patientin vor dem Festival auf die Bettenstation verlegen zu können, aber leider liess es der Gesundheitszustand nicht zu.
Also arbeitete Gabriel auch während dem Festival in der Nacht und konnte so akustisch die Musik von den Bands während der Arbeit auf der mitverfolgen.
Dieser Schichtbetrieb veränderte unser Wochenrhythmus und Rahel spürte die Abwesenheit von Gabriel im Alltag mit den Kindern. Denn nach der Nachtschicht hatte Gabriel am Tag geschlafen und war anschliessend nur noch jeweils 3 Std. zu Hause. Um 19:00 ging es wieder zur Arbeit.
Nach 51 Tagen waren wir ausgelaugt, das Team und wir als Familie.
Die Patientin ist dann kurz vor unseren Ferien Anfang Juni leider verstorben. Der Einsatz war gross und es wurde hart um dieses Leben gekämpft, mit Medikamenten, Therapien und Gebet.

Labor

Da die Patientin auf der Intensivstation viele Blutkonserven benötigte, war somit auch mein Team gefordert. Wir haben selten so viele Blutkonserven in so kurzer Zeit hergestellt. Immer wieder haben wir Mitarbeiter oder auch Angehörige von Patienten aufgeboten. Das spannende ist, in Peru haben fast alle Personen Blutgruppe 0 pos.
Unsere neue peruanische Mitarbeiterin wurde da auch gleich gefordert. Dank dem sie schon einmal bei Diospi gearbeitet hatte, fiel die Einarbeitungszeit relativ kurz aus und sie konnte uns schon nach kurzer Zeit tatkräftig unterstützen.

Kein Strom!

Über 30 Stunden kein Strom in ganz Apurimac. Das betrifft ca. eine halbe Million Menschen!
Weswegen der Strom ausgefallen ist, bleibt Spekulation. Anscheinend wegen einem umgeknickten Freileitungsmasten.
Die verschiedenen Fotos auf Facebook zeigten ein Auto, welches einen Leitungsmast gerammt hat, ein LKW welcher mit einem Leitungsmast kollidiert war und einen Baum, der vor einem Freileitungsmasten umgeknickt war. Die Umstände waren nicht klar, aber wir hatten trotzdem keinen Strom.
Der Kühlschrank glich einer Tropfsteinhöhle und unser Nachbar und Freund, welcher Glace verkauft, konnte sein Eis nicht kühlen und auch nicht verkaufen.
Die Tiendas (kleiner Laden) waren in den hinteren Bereichen dunkel und nur mit Hilfe der Taschenlampe des Handys, fand man die benötigten Produkte.
Unsere Kinder wollten dann auch Filme schauen, aber das Modem benötigt ja auch Strom.
Ilay sagte: «dann können wir doch etwas auf YouTube schauen?!»
Wir erklärten nochmals, dass leider das Internet nicht funktioniere, da meinte Mava: «dann nehmen wir halt das Tablet!»
Da der Wasserdruck in unserem Haus mit einer Pumpe erzeugt wird, konnten wir auch nicht duschen oder mit warmem Wasser das Geschirr spülen. Das Tanken von Autos hatte auch nicht mehr funktioniert, da die Zapfsäulen mit Strom funktionieren. Tja, was alles nicht funktioniert, wenn kein Strom da ist! Wir hatten das grosse Privileg unsere Handys im Spital aufzuladen, da das Spital mit Notstrom Generatoren einwandfrei funktioniert. Das war auch nötig, denn zu dieser Zeit wurde weiter operiert und auf der Intensivstation hatten wir zwei Patienten am Beatmungsgerät. Am Mittwoch kam dann die Info, dass der Stromausfall bis am So. andauern könnte. Gabriel besorgte Kerzen, Zündhölzer und Gasreserven zum Kochen. Dabei realisierte er, dass er gefühlt der Einzige war, der sich um diese Dinge bemühte. In Curahuasi war keine Hektik oder Unruhe zu spüren. Und am nächsten Tag war der Strom wieder da. Wir hatten ein paar Tage später Käse gekauft, welcher uns leider nicht gut bekommen ist, da die Kühlmöglichkeiten in den Shops auch nicht funktioniert hatten.

Nachtessen mit Kerzenlicht
Kochen mit Stirnlampe
Beim Barbier mit Stirnlampe

Fliegenplage

In Peru treten die meisten Fliegen (insbesondere in feuchten und warmen Regionen) während der Regenzeit zwischen November und März auf. In dieser Zeit sorgen die Kombination aus erhöhter Luftfeuchtigkeit, Hitze und Niederschlag für ideale Brutbedingungen, so liest man auf Google.
Und ja, im Monat Februar war die Anzahl der Fliegen in unserem Haus unerträglich. 
Am Tag hatten sich so viele Fliegen versammelt, dass ein Mittagessen oder der Aufenthalt im Wohnzimmer kaum auszuhalten war. Egal wie viele Fliegen wir erschlagen haben, (mind. 3o Fliegen tgl.), der Bestand verringerte sich nicht! Wir kauften die klebrigen Fliegenfänger Rollen, welche nach einem Tag wieder schwarz waren und ausgewechselt werden mussten.
Zu dieser Zeit hingen 4 Fliegenfänger gleichzeitig in unserem Haus.
Nun hat Rahel den letzten entsorgt.

Jugendfestival

Ende April fand das 4. Jugendfestival mit dem Titel «Luz en los Andes» (Licht in den Anden) statt. Kurz vorher wurden die Bauarbeiten am Amphitheater fertiggestellt. Nun hatten 5`000 Besucher Platz! An 5 Tagen traten 10 Bands aus dem spanisch sprechenden Raum auf! Die Tage waren gefüllt mit Andachten, über 50 Workshops zu unterschiedlichen Themen und an den Abenden jeweils 2 Konzerte.
Schon seit Monaten gab es auf Spotify eine Playlist mit Songs von den jeweiligen Bands. Es kamen Besucher aus allen 24 Bundesstaaten Perus und von den benachbarten Ländern! Rahel hat bei der Ticketausgabe mitgeholfen und wir konnten in unserem Gästezimmer 2 Missionarinnen von der SIM aus Lima beherbergen, welche jede einen Workshop geleitet hat.
Die Kinder hatten während dieser Woche Schulfrei, da die Schulräumlichkeiten und der Schulhof für Workshops und einen Gebetsparcours genutzt wurden. Den ganzen Tag über konnten die Besucher Gebet und Seelsorge in Anspruch nehmen, wovon auch rege Gebrauch gemacht wurde.
Trotz zwei grossen Gewittern während den Konzerten mit Stromunterbruch und grossen Wassermassen kam es zu keinen grösseren Zwischenfällen.
Wir hoffen und beten, dass die Jugendlichen in diesen 5 Tagen neue Hoffnung und Perspektive für ihr Leben gefunden haben und sie wirkliche Veränderung durch Jesus erleben dürfen. Denn darum geht es uns bei diesen Festivals.

Beim WorkShop von Chris im Kino von Curahuasi
Nachtessen mit Chris und Cynthia bei uns zu Hause mit Hörnli und Gehacktem mit Apfelmus

Wassergraben vor dem Hauseingang

Eines Morgens ging Gabriel nichts ahnend in unsere Garderobe und erschrak! Der komplette Boden war braun verfärbt. Man sah keine Fugen der Fliesen mehr, aber die Verfärbung war matt und trocken.
In der Nacht wurde die Garderobe von Regenwasser geflutet und war eingetrocknet. Gabriel reinigte den Boden mit viel Aufwand und frischem Wasser. In der nächsten Nacht regnete es wieder sehr stark und am Morgen sah die Garderobe wieder gleich aus. Der Boden wurde erneut gereinigt und am Tag darauf war wieder alles braun. Da realisierten wir, dass vor unserem grossen Hauseingang mit Doppeltüre sich das Wasser wegen der Neigung des Hanges in einem See gesammelt hatte, überlaufen war und so unsere Garderobe geflutet hatte.
Gott sei Dank hatte Gabriel viel Erfahrung im Campieren mit seinen Eltern und Grosseltern im Tessin gesammelt, so dass wir kurzerhand einen Wassergraben geschaufelt haben. Seit dem ist die Garderobe trocken.

Hasta la proxima vez!

Rahel Maurer

Ich bin Ehefrau & Mami, MPA (Medizinische Praxis Assistentin), habe das Wirtepatent, bin Barista, mein Traum ist es wieder ein eigenes Kaffe zu betreiben, ich lese & nähe gerne, bin spontan, optimistisch und liebe es Gastgeberin zu sein.
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