Maurers in Peru

Unser Alltag in Peru

Seit über zwei Monaten sind wir nun in Cusco, Peru. Wir haben uns gut eingelebt und wir fühlen uns alle sehr wohl.

Gerne möchten wir euch mitnehmen in unseren Alltag und ein bisschen aufzeigen, was hier anders ist als in der Schweiz.

Von Montag bis Freitag gehen die Kinder jeweils von 08.30-13.15 Uhr in den Kindergarten. Dieser ist zu Fuss von unserer Wohnung in 10 Min. erreichbar. Sie fühlen sich dort sehr wohl und verstehen immer wie mehr. Sie trauen sich langsam gewisse Dinge auf Spanisch zu sprechen oder singen manchmal ein Lied.

Es freut uns sehr, dass die Kinder mit der neuen Sprache und Kultur so gut klarkommen und gerne hier sind.

Gabriel und ich gehen dann anschliessend 20 Min. zu Fuss zur Sprachschule, welche sich im historischen Zentrum von Cusco befindet. Von 09.10-12.50 haben wir Spanisch-Unterricht.

Nachdem wir die Kinder vom Kindergarten abgeholt haben, gibt es um 13:45h ein kleines Mittagessen. Es muss schnell gehen, da wir alle Hunger haben. Es gibt Brot oder Toast mit Avocado, Tomaten, Schinken oder Marmelade. Nach einer Pausenzeit machen wir die Hausaufgaben. Die Kinder haben Schreib- oder Rechenaufgaben. Wir lernen Vokabeln und bearbeiten die anstehenden Aufgaben. Dann ist noch etwas Zeit, um einzukaufen oder im nahe gelegenen Park Fussball oder Volleyball zu spielen. Zum Nachtessen kochen wir dann, da wir mehr Zeit haben.

Jede zweite Woche treffen wir uns am Donnerstag Nachmittag mit unseren Mentoren von der SIM, unserer Missionsgesellschaft (Serving in Mission), welche seit 15 Jahren in Peru leben. Wir lernen viel über die peruanische Kultur, diese Treffen sind für uns immer sehr wertvoll.

An den Samstagmorgen machen wir den Haushalt und am Nachmittag gehen wir in die Stadt oder machen einen Ausflug in der nahen Umgebung.

Am Sonntagmorgen gehen wir jeweils in den Gottesdienst der VIDA-Kirche. Wir fühlen uns in dieser Kirche sehr wohl und willkommen. Wir konnten schon einige Leute kennen lernen und der Austausch auf Spanisch geht immer besser.

Alltag Cusco versus Schweiz:

Das Wasser: Um das Wasser aus dem Wasserhahn trinken zu können muss dieses zuerst mit einem speziellen Filter gereinigt werden. Wie einige von euch mitbekommen haben, ist das Wasser im Moment rar, denn es ist Ende der Trockenzeit und wir hatten mehrere Wochen immer nur am Morgen 2-3 Stunden Wasser. Der Besitzer hat die Pumpe repariert, welche das Wasser vom Keller in die Wassertanks auf dem Dach pumpt. Das Wasser fliesst nun den ganzen Tag! Das ist ein grossartiges Gefühl! Aber wir wissen auch, dass wir damit sehr privilegiert sind und viele Peruaner nur für kurze Zeit am Tag Wasser erhalten. Viele Cafés in der Stadt haben kein Wasser und die Toiletten sind deswegen geschlossen.

Die Toiletten: Das Toilettenpapier sollte nicht in das WC geworfen werden, da es zu Verstopfungen führen kann und es die Aufbereitung des Wassers erschwert. Es ist gewöhnungsbedürftig, das gebrauchte Papier in den Abfalleimer neben der Toilette zu werfen.

Das Essen: Alle Früchte und Gemüse müssen vor dem Verzehr desinfiziert werden. D.h. alles muss für ca. 10 Min. eingelegt werden. Anschliessend wird alles mit Trinkwasser abgespült oder getrocknet. Erst dann kann es zubereitet und verzehrt werden. Ansonsten besteht die Gefahr von Magendarmbeschwerden, ausgelöst durch Parasiten oder starke Pestizide. Bis jetzt haben wir das Essen sehr gut vertragen. Wir essen ab und zu auch in Restaurants oder kaufen Dinge von der Strasse, wie Popcorn, Eis in Plastiksäckchen oder Churros (Teigrollen in Öl frittiert). Wir geniessen die grosse Auswahl an frischen Früchten wie Mangos, Ananas, Maracujas, Drachenfrucht, Erdbeeren, Bananen und auch Gemüse wie Avocado, Tomaten, Süsskartoffeln, Zucchetti, Brokkoli etc. Der Geschmack ist viel intensiver, wie wir es uns von der Schweiz gewohnt sind.

Kochen: Wir kochen mind. 1x pro Woche Schweizer Gerichte wie z.B. „Hörnli mit Hackfleisch und Apfelmus“ oder „Älplermagronen“ (das lieben die Kinder!). Es gibt aber auch oft Reis, Kartoffeln, Chicken Nuggets, Linsen mit Quinoa und diversem Gemüse u.v.m. Das Kochen dauert allerdings auf 3500 m ü.M. viel länger, doppelt bis dreimal so lange. Da wir einen Gasbackofen haben sind Gerichte wie Pizza oder Pommes nicht so einfach zum kochen, deshalb essen wir dies dann auswärts. Zudem sind gewisse Zutaten wie Mozzarella, Salami, Rahm teuer, zum Teil teurer als in der Schweiz. Dafür ist das Gemüse und das Fleisch sehr günstig. Zum Vergleich: 500 g Rindshackfleisch (nicht vom Markt) kostet 3.50.- sFr., 1 kg Tomaten kostet 1.- sFr. Ein Glas Nutella 350 g kostet 6.- sFr.! Wir fanden zum Glück eine Alternative die weniger wie halb so teuer ist!

Transportmittel: Taxis sind sehr günstig und fast immer verfügbar, es gilt aber den Fahrpreis immer vor Fahrtbeginn auszuhandeln. Da kann es auch schon vorkommen, dass ein Taxifahrer davonfährt, da er mit dem Preis nicht einverstanden ist. Busfahren ist immer spannend und aufregend da es keinen Fahrplan gibt und wir so immer wieder neue Routen kennen lernen. Da wir nahe am Zentrum wohnen können wir vieles zu Fuss machen, was wir sehr schätzen. Die Kinder sind sich auch immer wie mehr gewohnt 15-20 Minuten zu Fuss zu gehen, ohne zu reklamieren. Es gilt aber immer gut aufzupassen, wo man hintritt Hundekot, Abfall, Steine oder Löcher in den Strassen gehören hier dazu.

Fiestas gehören hier zum Alltag, denn es gibt fast keinen Tag, an dem nicht irgendwo ein Fest gefeiert wird. Entweder mit Feuerwerk (hören/sehen wir täglich), mit Umzügen auf der Strasse begleitet von lauter Musik oder manchmal auch mit sehr ausgefallenen Kostümen.

Das Wetter: Es scheint fast jeden Tag die Sonne, was wir sehr geniessen! Es gibt hier nur zwei Jahreszeiten, die Trockenzeit, welche sich dem Ende neigt und die Regenzeit, welche von November bis April dauert. Die Temperaturen liegen tagsüber zwischen 16 und 22 Grad, nachts zwischen 2-6 Grad. Juli und August sind die kältesten Monate. Da die Häuser nicht isoliert sind und die Fenster nur einfach verglast und nicht abgedichtet sind, ist es in den Häusern meistens kälter aus draussen. In der Nacht benötigen wir langarm Pijamas und Bettflaschen. Wir haben einen kleinen elektrischen Heizkörper, der etwas Wärme spendet. Wir befinden uns auf 3500 m ü.M. und das Klima ist sehr trocken, d.h. die Hände, Lippen und Nasenschleimhäute sind immer sehr trocken.  Der Verbrauch an Handcreme, Bodylotion und Lippenbalsam ist hoch.

Der Strassenverkehr: Es ist immer viel los auf den Strassen und es wird unablässig gehupt. Entweder weil ein Taxifahrer auf sich aufmerksam machen möchte, weil jemand einem keinen Vortritt geben möchte, weil jemand um die Ecke biegt und ein Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn warnen möchte oder auch einfach so. Viele Fahrzeuge haben auch Alarme wie die Polizei, Sanität und Feuerwehr. Wenn die Ampel für den Fussgänger grün ist, bedeutet dies nicht, dass er Vortritt hat. Hier hat das stärkste und grösste Fahrzeug, also die Busse und Lastwagen Vortritt, dann die Pickups usw. Der Fussgänger steht da ganz am Schluss. Das heisst im Strassenverkehr immer Ohren und Augen offenhalten und wenn nötig rennen. Das funktioniert meist gut und die Kinder wissen, wenn wir «jetzt» rufen, dann heisst es so schnell wie möglich die Strasse überqueren. Auch wenn die Ampel für die Fussgänger auf Grün steht, gibt es immer eine Richtung, von der die Fahrzeuge grünes Licht haben und für Fussgänger nicht abbremsen.

Die Hunde gehören zum Leben in Peru dazu. Es gibt Hunde, welche in den Häusern leben und solche auf der Strasse. Alle haben einen Besitzer, die meisten davon entschliessen sich einfach nach einer Zeit dazu, die Hunde lieber auf der Strasse leben zu lassen. Dort sitzen sie dann oft vor den Haustüren ihrer Besitzer, durchsuchen den Abfall nach Essensresten oder verteidigen ihr Revier vor anderen Hunden. In der Nacht können solche Kämpfe sehr laut werden. Als Fussgänger lassen sie einen meistens in Ruhe. Und wenn nicht dann hebt man einen Stein hoch und tut so, als werfe man ihn gegen das Tier. Dann lassen sie einen passieren. Die Motorradfahrer und Autofahrer haben es manchmal nicht so einfach. Einige Hunde rennen ihnen nach und versuchen mit lautem Gebell in die Reifen zu beissen. Den Grund dafür ist nicht klar. Vielleicht wurden diese Hunde schon von einem solchen Fahrzeug angefahren und versuchen sich zu rächen?!

Nun habt ihr einen Einblick in unseren Alltag erhalten.

Wir freuen uns über Nachrichten von euch!

Muchos saludos!

Cristo Blanco über Cusco

Gabriel Maurer

Ich arbeite als dipl. Pflegefachmann HF, bin Ehemann, Sohn, Vater, Götti, MountainBiker, Snowboarder, Fotograf, Kaffegeniesser, manchmal Feinschmecker, Begeisterungsfähig und nun auch noch Blogger.
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  1. Danke vielmals für diesen Einblick in euren neuen Alltag, sehr spannend zu lesen.
    Weiterhin alles gute und liebe Grüsse an alle!

  2. Sehr spannend was ihr alles erlebt und inwiefern das Leben in Peru anders ist als in der Schweiz! Freue mich auf weitere Beiträge😊

  3. liebe rahel, lieber gabriel,
    danke für den ausfühlichen eintrag mit den fotos. spannend zu lesen und schön zu sehen, dass es euch recht gut geht und ihr mit den herausforderungen des peruanischen alltags gut zurecht kommt. ich denke immer wieder an euch und wünsche euch weiterhin alles gute und viel erfolg
    hasta la proxima vez.
    liebe grüsse
    ueli